Schwerpunkt 03

Bildung an das KI-Zeitalter anpassen

Meine Haltung

Technik scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass Menschen nicht mitgenommen werden.

Ich erkläre Technik, seit es sie für alle gibt. In den 1990er-Jahren habe ich als Mitautor von Computer-Fachbüchern Menschen den Einstieg in PC, Betriebssysteme und Multimedia erklärt. Später habe ich als Berater, Coach und Mentor Organisationen durch jeden großen Technologiewechsel begleitet – bis zur Cloud.

KI ist der bisher größte dieser Wechsel, und er geht schneller als alle davor. Diesmal reicht es nicht, wenn ein paar Spezialisten Bescheid wissen. Lehrkräfte, Beschäftigte mitten im Berufsleben und die Menschen, die unsere IT am Laufen halten, müssen jetzt befähigt werden.

Mein Anspruch ist nicht, dass jeder programmieren lernt. Sondern dass jeder versteht, was KI kann, wo ihre Grenzen liegen und wie man ihre Ergebnisse prüft.

Das Problem

Europa verfehlt seine eigenen Digitalziele – bei den Menschen, nicht bei der Technik.

Zahlen: EU-Kommission, „State of the Digital Decade 2026“.

Meine Erfahrung

Ich habe gesehen, was bei jeder Einführung neuer Technik den Unterschied macht.

In Projekten mit Microsoft 365, Teams oder SharePoint war die Technik fast nie der Engpass. Entscheidend war, ob die Menschen verstanden haben, warum sich etwas ändert und wie sie es nutzen. Genau dasselbe erlebe ich heute mit KI – nur schneller und mit höherem Einsatz. Und im IT-Betrieb selbst sehe ich, wie KI die Arbeit nach etablierten Standards wie ITIL grundlegend verändert.

Drei Vorschläge
Vorschlag 1

KI-Führerschein – zuerst für Lehrkräfte

Ein europaweit anerkannter Standard für KI-Kompetenz, beginnend bei Lehrkräften: mit freigestellter Fortbildungszeit und gemeinsamen, offenen Lehrmaterialien. Wer unterrichtet, muss sicher sein, bevor Schülerinnen und Schüler es sein können.

Vorschlag 2

Weiterbildung mitten im Berufsleben

Erasmus+ gibt es auch für die Erwachsenenbildung – es muss aber zu einem echten Programm für Berufstätige und kleine Betriebe werden: kurze, praxisnahe Module, europaweit anerkannt, ohne dass Beschäftigte oder Arbeitgeber dafür wochenlang ausfallen.

Vorschlag 3

IT-Betrieb im KI-Zeitalter

KI verändert, wie IT betrieben wird – von der Störungsbehebung bis zur Planung. Ich will ein europäisches Qualifizierungsprogramm, das bewährte Standards wie ITIL mit KI zusammenbringt und IT-Fachkräfte dafür weiterbildet. So wird KI zur Hilfe gegen den Fachkräftemangel statt zur Bedrohung.

Woran man Erfolg messen kann
Kritische Fragen
Bildung ist Ländersache. Was hat die EU damit zu tun?

Richtig, Schulen gestalten die Mitgliedstaaten und in Deutschland die Länder. Die EU kann aber gemeinsame Standards, offene Lehrmaterialien, Anerkennung über Grenzen hinweg und Programme wie Erasmus+ bereitstellen. Genau dort setze ich an.

Wenn KI immer mehr kann – warum brauchen wir dann noch mehr IT-Fachkräfte?

Weil jemand KI auswählen, einführen, absichern und betreiben muss. KI verändert IT-Berufe, sie ersetzt sie nicht. Wer heute IT betreibt, braucht neue Fähigkeiten – nicht einen neuen Beruf.

Macht KI das Lernen nicht überflüssig?

Im Gegenteil. Wer KI-Ergebnisse nicht einordnen kann, ist ihnen ausgeliefert. Kritisches Denken, Grundwissen und das Prüfen von Quellen werden wichtiger, nicht unwichtiger.