Ausstiegsplan als Pflicht
Kritische IT der öffentlichen Hand nur mit dokumentiertem und regelmäßig getestetem Ausstiegsplan. Wer einkauft, muss wissen, wie er wieder herauskommt – und was es kostet.
Über 20 Jahre war ich im Microsoft-Umfeld tätig – als Partner, als Gründer und Präsident der IAMCP Germany, dem Verband der Microsoft-Partner, und als Berater für Microsoft 365 und Azure. Hunderte große und kleine Kunden habe ich in die Cloud begleitet – gern, denn sie hat ihnen enorme Vorteile gebracht.
Mit der Zeit ist mir die Kehrseite immer deutlicher geworden. Wenn zentrale Systeme unter ausländischem Recht betrieben werden, entstehen Abhängigkeiten, die im Ernstfall teuer werden können – für Unternehmen genauso wie für Behörden.
Rückblickend hätten wir alle – auch ich – früher fragen sollen, wie man wieder aussteigen kann, nicht nur, wie man einsteigt. Aufhalten hätte ich die Entwicklung allein nicht können. Aber diese Frage stelle ich heute in jedem Projekt.
Souveränität bedeutet für mich nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit: europäische Alternativen stärken, offene Standards durchsetzen und für kritische Systeme einen Plan B haben.
Als Lead Architect habe ich zentrale Systeme aus einer Konzernumgebung herausgelöst und für den Betrieb durch einen neuen Dienstleister vorbereitet – ein Projekt über fast 1.000 Projekttage. Im öffentlichen Sektor habe ich als Technical Lead Netzwerke nach Sicherheitsprinzipien neu segmentiert. Die Lehre aus beiden: Wechselfähigkeit entsteht nicht im Notfall, sondern muss von Anfang an eingeplant werden.
Kritische IT der öffentlichen Hand nur mit dokumentiertem und regelmäßig getestetem Ausstiegsplan. Wer einkauft, muss wissen, wie er wieder herauskommt – und was es kostet.
Datenportabilität und offene Schnittstellen werden zum festen, gewichteten Kriterium bei öffentlichen Ausschreibungen – nicht als Kür, sondern als Voraussetzung.
Europäische Cloud- und KI-Anbieter brauchen Aufträge, nicht nur Förderprogramme. Die öffentliche Hand sollte gezielt als Ankerkunde auftreten und so Märkte für europäische Alternativen schaffen.
Im Gegenteil: Ich kenne diese Systeme von innen – ihre Stärken und die Abhängigkeiten, die sie erzeugen. Wer Abhängigkeiten abbauen will, muss wissen, wo sie stecken.
Nein. Es heißt, dass wir wählen können müssen. Amerikanische Dienste können weiter eine Rolle spielen – aber nicht dort, wo ein Ausfall Staat oder Wirtschaft lahmlegen würde, ohne dass es eine Alternative gibt.
Heute oft noch – genau deshalb brauchen sie Aufträge und Skalierung. Und in die Rechnung gehört auch, was eine Abhängigkeit im Ernstfall kostet.